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Solarwärme aus dem Emmental

Ein Solarspeicher mit 205.000 Liter Wasser ist das Herzstück des Hauses. Auch im Winter muss nicht geheizt werden.

Heizen und duschen, ohne einen Cent dafür auszugeben? Im schweizerischen Oberburg ist das möglich – weil die Sonne für Wärme und heißes Wasser sorgt. In Oberburg im Emmental steht Europas erstes vollständig solarbeheiztes Mehrfamilienhaus. Optimale Wärmedämmung, Wärmerückgewinnung und ein kräftiger Solarspeicher sind die Voraussetzungen dafür, dass die Wärme auch im Winter zur Verfügung steht, sagt der Bauherr und Solarpionier Josef Jenni. Jenni sieht sich selbst in erster Linie als „Umweltaktivist“, der sich auf eine Firma stützen kann. Und den anfangs alle ausgelacht haben.

Oberburg, ein Örtchen im Emmental: Einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt ist die Firma Jenni angesiedelt, ein mittelständischer Betrieb mit 50 Mitarbeitern. Ein schmuckloser Verwaltungsbau, eine mehrstöckige Produktionshalle, ein solarbeheiztes Wohnhaus und am Rande des Geländes ein zweites, noch nicht ganz fertigverputzt.

Firmeninhaber Josef Jenny sagt im Gespräch mit ORF.at: Er verstehe sich als Umweltaktivist, der sich auf eine Firma stützen könne. Mittlerweile ist der 55-Jährige, wenn er nicht gerade als Abgeordneter für die EVP (Evangelische Volkspartei) im Berner Nationalrat sitzt, dauernd unterwegs: Sein Rat und das Know-how seiner Solarspeicher sind international gefragt.

Österreich will nur Know-how
Bis 1989 das erste ganzjährig solarbeheizte Einfamilienhaus für Bruder Erwin auf dem Firmengelände stand, war allerdings ein langer, mühseliger Weg zu gehen: „Als ich begonnen habe, das zu bauen, sind wir von allen ausgelacht worden“, erinnert sich Jenny. „Sämtliche Fachleute haben gesagt: Du spinnst! Das geht nicht! Das kann nie funktionieren! Aber das war eben dann doch möglich!“

Inzwischen stellt der Betrieb zehn Modelle vom Typ „Swiss Solartank“ täglich her, zumeist für Kunden in der Schweiz, Deutschland und Luxemburg. Nicht für Österreich, merkt Jenni an. Dort herrsche eine andere Mentalität: Man sei zwar an Know-how interessiert, doch verkaufen ließen sich seine Anlagen in Österreich kaum.

Das Nachbarhaus wird mitbeheizt
Der bisher größte Solarspeicher aus dem Hause Jenni fasst 205.000 Liter Wasser – und bildet das Herzstück des solargeheizten Mehrfamilienhauses am Rande des Firmengeländes.

Der zylindrische Speicher reicht vom Keller bis unters Dach, das Wasser hat sich – durch Kollektoren auf der Südseite des Satteldaches – im letzten Herbst derart aufgeheizt, dass acht Familien heiß duschen können und ihre Fußbodenheizung die Wohnungen ohne Temperaturschwankungen beheizt.

Weil Jenni sein Haus den Nachbarn direkt vor die Nase gebaut hat, bot er ihnen an, ihr rustikales Chalet kostenlos mitzuheizen – als Entschädigung, wie Jenni sagt. Und nach einem Blick auf die Temperatur im Speicher, die von Messfühlern kontinuierlich dokumentiert wird, sagt er: „Im Moment, so wie’s aussieht, braucht das kleine Chalet doppelt so viel Wärme wie das ganze Achtfamilienhaus.“

12.000 Euro pro Solarspeicher
In jeden Neubau lässt sich ein Solarspeicher einbauen. Entweder nach Jennis Plänen, oder der Bauherr hat selbst schon im Grundriss Platz für den Solartank vorgesehen, der immer im Innern des Hauses gelegen sein muss – der Dämmung halber.

Ein nachträglicher Einbau ist in der Regel nicht möglich. 12.000 Euro kostet ein Solarspeicher für ein Einfamilienhaus, rechnet Jenni vor. Je nach aktuellem Energiepreis amortisiere sich das nach einigen Jahren.

Sonne, Holz, Erd- und Abwärme
Aber viel wichtiger ist, dass der Schweizer Solarpionier, dessen Firma seit 1976 existiert, mit jedem neu gebauten Speicher seiner Vision ein Stückchen näher kommt: der Nutzung von Sonne, Holz, Abwärme und Erdwärme als umweltverträgliche Energiequellen.

Auf seiner Firmen-Website schlägt Jenni dann deutliche Töne an: „Für unsere Energiesucht verkaufen wir unsere Heimat. Immer häufiger gehören unsere Sachwerte Investoren aus dem Erdölbereich.“

Sein Spezialgebiet, die Solartechnik, fördert Jenni auf seine Weise: zum Beispiel, indem er im gelben T-Shirt im gediegenen Nationalrat auftritt. Der Aufdruck „Oil of Emmental“ für die nachwachsenden Rohstoffe seiner Heimat sorgte für zusätzlichen Medienrummel. Das ist dem Mann ganz recht: Schließlich gehe es um die Sache – und zwar eine mit „einem höheren Sinn“.

Alexander Musik, ORF.at

Mehr auf www.orf.at

Oil of Emmenthal

Jenni Energietechnik

Wärmespeicher (Wikipedia)

RSS Trackback URL pmetzler | 17. Oktober 2009 (17:00)

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